Trends in der Papierrestaurierung

Bibliographic Details
Main Author: Graaff, Judith H. Hofenk de (Author)
Format: Article
Language:German
Slovak
ISSN:ISSN 1563-2628
Online Access:http://www.viks.sk/chk/pap_1_00_2_5.doc
Description
Abstract:SUMARRIES. Bereits 1845 beklagte der Niederländer van der Boon Mesch die abnehmende Qualität des Papieres, welches man für Dokumente verwendete. Als Grund führte er die Einführung neuer Maschinen für die Papierherstellung sowie neue Bleichmethoden an. Darüber hinaus hinterließe die Papiermaschine Eisenpartikel im Papier, woraus im Laufe der Alterung braune Flecken entstünden. Er riet, die Dauerhaftigkeit von Papier wissenschaftlich zu untersuchen. Seitdem blieb die Papierqualität (Dauerhaftigkeit) von gleichbleibendem Interesse für Papiermacher sowie öffentliche Behörden [1]. Van der Boon Mesch war nicht der erste, der über die Papierqualität klagte. 1823 warnte John Murray im "Gentleman's Magazin" und in einer späteren Abhandlung von 1829 vor der abnehmenden Papierqualität [2]. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde regelmäßig vor der Verschlechterung der Papierqualität gewarnt, und am Ende des 19. Jahrhunderts konstatierten Archivare und Bibliothekare ein ernsthaftes Papierzerfallsproblem [3]. Dieser Zerfall wurde durch verschiedene Faktoren hervorgerufen: zum Ersten durch die Qualität des produzierten Papieres, welche durch neue Bleichmethoden, die Mechanisierung des Papierherstellungsprozesses und einen Wechsel der Grundstoffe von Hadern zu Holzschliff beeinflußt wurde, zum Zweiten durch den Einfluß der Luftverschmutzung und zum Dritten durch die Schreibmaterialien. Von der Society of the Arts (London) berufen, leitete 1897 das Committee on the Detonation of Paper eine Untersuchung über den Papierzerfall ein. In dem einflußreichen Bericht, der im Mai 1898 publiziert wurde, äußerte das Committee: ..die Gefahr wurde überschätzt" [4]. Diese Anmerkung klingt auch für zeitgenössische Ohren sehr vertraut, denn auch gegenüber aktuell bedeutenden Forschungsprogrammen ist festzustellen: Ihre Resultate werden mit großem Interesse wahrgenommen, jedoch genauso schnell wieder vergessen. Aus diesen historischen Quellen wird deutlich, daß bereits im 19. Jahrhundert der Einfluß von zwei verschiedenen Faktoren erkannt wurde. Der interne Faktor wurde durch die Papierfabrikation, durch die Vorbereitung des Rohmaterials und die Blattbildung hervorgerufen. Als externe Faktoren gelten die Luftverschmutzung und der Einfluß von Schreibmaterialien. Es ist interessant, daß in diesem Rahmen der Einfluß der Harz-Alaun-Leimung noch nicht vermerkt ist. Die Themen Papierherstellung und Dauerhaftigkeit, Luftverschmutzung. Feuch-tigkeits- und Temperaturkontrolle sowie Schreib- und Drucktinten charakterisierten somit schon die Themen der heutigen Papierrestaurierungsforschung. Die Forschung in der Papierrestaurierung hatte schon immer einen starken Bezug zur Forschung in der Papierindustrie, denn vor der Entwicklung der Papierrestaurierung zu einem eigenständigen Beruf wurde Forschung vorwiegend von der Papierindustrie betrieben. Forschungsinhalte waren die Rohstoffe und der Produktionsprozeß. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn der 1950er Jahre blieb der grundlegende Papierherstellungsprozeß stets derselbe, obwohl neue und schnellere Produktionsmethoden eingeführt wurden. Unterschiedliche Papierqualitäten waren verfügbar, Standards für Papiere zu verschiedenen Verwendungszwecken wurden entwickelt. In den Niederlanden existierte ein Standard für Papiere in staatlichen Behörden. Hierbei war vorgeschrieben, für amtliche Dokumente Hadernpapier zu verwenden [5]. Solche Vorschriften wurden nicht nur in den Niederlanden, sondern in allen europäischen Ländern sowie den USA erlassen. Das Interesse an dauerhafteren Papieren kam aber nicht nur von Staatsseite, sondern mehr und mehr auch von Bibliothekaren und Archivaren.
ISSN:ISSN 1563-2628