Anorganische historische Pigmente einer Pigmentsammlung in Wien: Identifizierung und Charakterisierung zur Erstellung einer Datenbank

Bibliographic Details
Main Authors: Frühmann, Bernadette (Author), Schreiner, Manfred (Author), Mantler, Michael (Author)
Format: Article
Language:German
ISSN:ISSN 0931-7198
Online Access:http://www.viks.sk/chk/zkk_2_03_294_304.doc
Description
Abstract:SUMMARIES. Im Bereich der Kunst ist in den letzten Jahrzehnten die Zusammenarbeit von Kunstwissenschaftern und Restauratoren mit Naturwissenschaftern immer wichtiger geworden, weil die Ansprüche an die Analyse eines Kunstobjektes unablässig gestiegen sind. Speziell auf dem Gebiet der Restaurierung ist es von großer Bedeutung, die einst verwendeten Materialien genau zu bestimmen, um einerseits bei der Restaurierung eines Kunstobjektes keine ungewollten Reaktionen zwischen den unterschiedlichen Materialien hervorzurufen. Andererseits kann die Kenntnis über die verwendeten Pigmente oft helfen, auf die Entstehungszeit des Objektes und eventuell auch den Künstler Rückschlüsse zu ziehen. Die Pigmentbestimmung ist also als wesentliche Zuarbeit für Untersuchungen an Kunstobjekten zu verstehen, bei denen kein bzw. nur sehr wenig Probenmaterial entnommen werden kann. Dies wurde zum Anlass genommen, in einem breit angelegten Projekt die technologische Sammlung des Instituts fur Wissenschaften und Technologien in der Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien zu katalogisieren und jedes einzelne Farbmittel zu analysieren. Bei dieser Kollektion handelt es sich um eine Sammlung von alten (19. Jahrhundert) und neuen (20. Jahrhundert) Pigmenten, Farbstoffen und Bindemitteln, die etwa 400 anorganische und 1000 organische Proben umfasst. Einige dieser Materialien werden in der hier vorliegenden Form nicht mehr hergestellt und sind in der Praxis durch andere ersetzt worden. Die anorganischen Pigmente dieser Sammlung (siehe Abb. 1) wurden mittels Röntgenfluo-reszenzanalyse (RFA), Röntgendiffraktometrie (XRD) und Fourier-transformierter Infrarotspektroskopie (FTIR) in ihrer chemischen Zusammensetzung und Struktur untersucht und die Ergebnisse in einer allgemein zugänglichen Datenbank (MS-Access1) zusammengefasst. Darüber hinaus wurden alle bei der Röntgendiffraktometrie und der FTIR-Spektroskopie erhaltenen Messdaten in zwei weiteren Bibliotheken katalogisiert, die in dieser Form wie die kommerziellen Datenbanken zur Identifizierung von unbekannten Proben verwendet werden können. Allerdings sind zu deren Bearbeitung die jeweiligen Software-Pakete der Gerätehersteller notwendig. Aus der großen Menge unterschiedlicher, in der Sammlung enthaltener Pigmente wurden hier nur die anorganischen einer genauen Analyse unterzogen, wobei zwischen den künstlichen und natürlichen unterschieden wird. Die Natürlichen kommen meist in abbaufähigen Mengen und Lagern vor oder können in Steinbrüchen oder Gruben bergmännisch gewonnen werden2. Eine Systematisierung der Pigmente kann nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Farbe, Verwendbarkeit, Herstellung etc. erfolgen3. Für eine naturwissenschaftlich, technologische Sammlung erscheint es am sinnvollsten, eine Ordnung aufgrund der chemischen Zusammensetzung bzw. Struktur vorzunehmen. Die Benennung der Proben wurde im Allgemeinen, wie auch im Falle der untersuchten Sammlung sehr willkürlich gehandhabt. Nur zu einem geringen Teil sind die Namen durch Handelsgebräuche und Nonnen festgelegt. In den meisten Fällen werden sie durch Trivialnamen bezeichnet, wobei nur selten ein Hinweis auf die chemische Zusammensetzung zu finden ist. Durch ihre weite Verbreitung kann es vorkommen, dass ein und dasselbe Pigment unter vielen verschiedenen Namen bekannt ist, was die Zuordnung weiter erschweren kann. So wurde und wird z.B. Preußisch Blau nicht nur unter der weiteren Bezeichnung Berliner Blau, sondern auch als Antwerpener Blau, Chinesisch Blau, Delf-ter Blau, Diesbach Blau, Pariser Blau, Stahlblau oder Wasserblau gehandelt4.
ISSN:ISSN 0931-7198